AMOK ist der Name einer Ortschaft auf der Insel Malekula, die zu den Neuen Hebriden gehört. Eingeborene vom Stamme der Groß-Nambas haben Amok gegründet. Ihre Lebensformen entsprechen noch heute weitgehend denen der Urgemeinschaft. In der Sprache der Groß-Nambas heißt Amok „Stätte des Anfangs aller Dinge im Zentrum der Welt“.
In der malaiischen Sprache hingegen hat das Wort Amok eine völlig andere Bedeutung. Es kennzeichnet den Zustand plötzlicher Geistesstörung bei einem Menschen. Der davon Betroffene gerät in eine sich bis zur Raserei steigernde Wut, die sich gegen seine unmittelbare Umgebung richtet. Er fällt wahllos Leute an, oft tötet er sogar mehrere Menschen, bevor ihn seine Kräfte verlassen und er zusammenbricht.
Zwischen dieser speziell im tropischen Südostasien anzutreffenden Form von Tobsucht und den im vorliegenden Buch geschilderten Begebenheiten besteht kein ursächlicher Zusammenhang, es sei denn, man versuchte das medizinische Phänomen des Amoklaufes im politischen Sinne als Massenerscheinung auszudeuten, die den Höhepunkt einer Kampagne geschickter Irreführung, Verhetzung und schließlich Fanatisierung ganzer sozialer und religiöser Gruppen eines Volkes bildet.
Das Geschehen vor und während des Putsches der indonesischen Militärs bildet den historischen Hintergrund dieses Romans. Harry Thürk fasziniert durch Sachkenntnis, vor allem aber durch die packende und erregende Gestaltung unterschiedlicher Charaktere und ihrer wechselhaften Schicksale in einer bewegten Zeit. [4. Auflage 1981]