VII. Parteitag der KPD

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Kategorie: Parteitage
Veröffentlicht am Freitag, 26. August 1921 14:50
Geschrieben von estro
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22. bis 26. August 1921, Jena

Rede des Genossen Ernst Thälmann am 23.08.1921

Dieser Parteitag der deutschen Kommunistischen Partei ist der erste Parteitag, der vor der ganzen Welt Stellung nimmt zu den Beschlüssen des III. Weltkongresses. Es ist deshalb notwendig, daß wir innerhalb der verschiedenen Strömungen, die sich hier gezeigt haben, durch eine Resolution eine einheitliche klare Linie zum Ausdruck bringen, wie die deutsche Kommunistische Partei die Beschlüsse des III.Weltkongresses aufnimmt.

Genossen! Ich habe in Moskau den abgeschlossenen sogenannten Friedensvertrag nicht mitunterzeichnet, weil ich ganz bestimmt wußte, daß ein Teil derjenigen Genossen, die der Opposition angehören, die Beschlüsse des Weltkongresses nicht innehalten und die Freiheit der Kritik in den weitesten Grenzen, wie sie dort gezogen wurden, zum Schaden der Partei ausnutzen würden. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß eine kommunistische Partei sich immer einzustellen hat auf die ökonomische Situation und die Verhältnisse ihres Landes.

Der III.Weltkongreß ist natürlich ein Summarium von kommunistischen Parteien aus den verschiedenen Ländern, und es ergibt sich, daß die Tendenzen in den einzelnen kommunistischen Parteien ganz andere sind, weil die Verhältnisse in jedem Lande verschieden sind. Man hat zum Beispiel auf dem Weltkongreß selbst gesehen, daß die Politik, Taktik und Tendenz der französischen und auch der tschechoslowakischen Partei eine ganz andere ist als die derjenigen Parteien, die durch schwere, große Kämpfe und Niederlagen hindurchmarschiert sind. Die deutsche Kommunistische Partei hat auf dem Weltkongreß eine große Rolle gespielt, weil für die Gesamttaktik innerhalb der Internationale die Erfahrungen aus der Märzaktion zur Grundlage einer einheitlichen taktischen Linie genommen wurden.

Über die Haltung der deutschen Delegation muß ich sagen, daß es ein Fehler war, daß die Genossen von der Zentrale in Berlin für die Leitung der Delegation bestimmt wurden. Dies war deshalb nicht richtig, weil der Gedankengang der verschiedenen Bezirksdelegierten ein ganz anderer war, als ihn die Genossen der Zentrale dort tatsächlich vertreten haben. Innerhalb der Delegation entstanden dadurch natürlich Differenzen, die im wesentlichen taktischer Natur waren. Wenn heute in der Resolution der Zentrale die Haltung einzelner Genossen der Zentrale in bezug auf ihre Auffassung über die Offensivtheorie preisgegeben wird, so will ich betonen, daß eine solche Offensivtheorie von den Massen überhaupt nicht verstanden werden konnte. Für uns stand die Frage so, daß die Partei, die passiv eingestellt war, eine gewisse Etappe durchmachen mußte, um aktiv zu werden.

Nun zum Referat des Genossen Trotzki, der sich in der Behandlung der Weltwirtschaftskrise viel zuviel vom ideologischen Standpunkt aus leiten ließ. Ich bedauere außerordentlich, daß die dort auf dem Kongreß anwesenden Theoretiker der Partei prinzipiell absolut nichts gegen die Auffassung des Genossen Trotzki eingewendet haben. Wir als Arbeiter konnten es allerdings nicht mit den erfahrenen Theoretikern der russischen Partei aufnehmen. Wir werden aber, wenn alle Thesen und Referate im Wortlaut vorliegen, uns in der Presse und auch in der Mitgliedschaft damit zu beschäftigen haben, daß auf Grund der ökonomisch zugespitzten Situation in Deutschland, entgegen der Auffassung Trotzkis, die Prosperität, die Herstellung des kapitalistischen Gleichgewichts, natürlich einen ganz anderen Charakter bekommt als in allen anderen kapitalistischen Ländern. Wir befinden uns in einem Stadium, in dem durch den Druck des Kapitals auf das Proletariat die wirtschaftlichen Kämpfe so entbrennen werden, daß die Gewerkschaftsbürokratie besonders bei ihren momentan schwachen finanziellen Kassenbeständen versuchen wird, soweit wie möglich jedem Lohnkampfe aus dem Wege zu gehen. Es muß sich in dieser Situation zeigen, ob wir als revolutionäre Kommunistische Partei den Massen gegenüber unsere Pflicht und Schuldigkeit tun.

Genosse Trotzki hat auf dem Kongreß im allgemeinen diejenigen Genossen und Delegationen unterstützt, die sich als die sogenannten Rechten bezeichneten, und er hat mit der Peitsche auf die Linke losgeschlagen. Wenn man von linken Dummheiten und von Schreihälsen der Linken spricht, so ist es selbstverständlich notwendig, ganz präzise zum Ausdruck zu bringen, was man damit meint. Es gibt doch wohl überall Genossen, die in ihrer Einstellung oder in sonstiger Form etwas von den anderen abstechen. Aber hier handelt es sich darum, wer seine Pflicht und Schuldigkeit innerhalb des Kampfes, innerhalb der Kommunistischen Partei getan hat oder nicht. Ich habe schon in Moskau zum Ausdruck gebracht: Ein revolutionärer Kämpfer ist verpflichtet, auch wenn theoretische Fehler in der Einstellung gemacht worden sind, wenn die Organisation in ihrem ganzen Apparat nicht so war, wie sie sein sollte, aber wenn es zum Kampfe kommt, mitzukämpfen und sich der Parteidisziplin unterzuordnen. Und diejenigen Genossen, die heute kommen und sagen: Wegen der falschen Einstellung, wegen der Fehler konnten wir nicht mitmachen - die haben sich der Disziplin der Kommunistischen Partei im Kampfe nicht unterworfen. Wir hatten die erste Feuerprobe zu bestehen, wobei sich erwies, daß die Partei innere Schwächen hatte. Sie hatte Schwächen in organisatorischer Hinsicht und im Hinblick darauf, daß Personen in der Kommunistischen Partei waren, die in den Kampfsituationen sich nicht als revolutionäre Kämpfer zeigten. Ferner waren sehr viele Bezirksleitungen nicht so eingestellt, daß sie die Parole der Kommunistischen Partei: „Generalstreik" unterstützten. Wenn man schon alle Fehler der Märzaktion kritisiert, dann heißt es auch, als Kommunist deutlich zum Ausdruck zu bringen, daß wir aus den Erfahrungen der Kämpfe der Märzaktion so viel Lehren gezogen haben, daß sie für uns große Erfolge sind. Wenn es auch eine Niederlage des Proletariats gewesen ist, so sage ich: Es ist insofern ein Sieg für die deutsche Kommunistische Partei, da wir gesehen haben, welche ungeheuren, unbedingt zu beseitigenden Schwächen wir innerhalb der Partei haben.

Unsere Aufgabe ist es, jetzt die Lehren aus den Beschlüssen des III.Kongresses zu ziehen, nicht soviel zu theoretisieren, sondern Fühlung mit allen mit uns sympathisierenden und auch mit rechts von uns stehenden Massen zu bekommen. Wir werden die Fühlung mit den Massen bekommen, aber nicht nur durch eine richtige Propaganda und Agitation, sondern dadurch, daß wir als deutsche Kommunistische Partei bei all diesen wirtschaftlichen Kämpfen zeigen, daß wir als Vorhut des Proletariats voranmarschieren. Als Vorhut, die jeden Kampf unterstützt und die, wenn in verschiedenen Wirtschaftsgebieten sich irgendwelche wirtschaftlichen Kämpfe zuspitzen sollten, auch gewillt ist, diese Kämpfe bis zum endgültigen Kampf um die politische Macht zu steigern.

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