Amerikas Geheimkrieg in 134 Ländern

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Kategorie: International
Veröffentlicht am Donnerstag, 06. März 2014 14:56
Geschrieben von estro
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von Nick Turse am 14. Januar 2014, übersetzt von Brigitte Queck

Während der Präsidentschaft Bushs waren Spezialoperationskräfte in ca.60 Ländern rund um die Welt tätig. Im Jahre 2010 erhöhte sich diese Zahl, laut Karen DeYoung und Greg Jaffe von der Washington Post auf 75.

Im Jahre 2011 erklärte der Sprecher des Spezialoperationskommandos (SOCOM), Colonel Tim Nye TomDispatch, dass diese sich bald auf 120 erhöhen würden.

Sie operieren in der grünen Glut einer Nachtvision in Südwestafrika und schleichen durch die Dschungel von Südamerika. Sie entführen Menschen aus ihren Häusern im Magreb und schießen schwer bewaffnet am Horn von Afrika. Sie fühlen den salzigen Sprühnebel, während sie eine Mission in der türkisblauen Karibik bis zum tiefblauen Pazifik eine Mission durchführen. Sie leiten Missionen in der brütenden Hitze der Mittelöstlichen Wüsten und im tiefgefrorenen Boden von Skandinavien. Über den ganzen Planeten führt die Obama Administration ihre Geheimkriege durch, deren volles Ausmaß niemals voll aufgezeigt wurde--bis jetzt.

Seit dem 11. September 2001 sind die US Spezialoperationskräfte in jeder denkbaren Art und Weise, von deren Anzahl bis zu ihrer finanziellen Ausstattung angewachsen. Das Wirkungsvollste jedoch ist ihr Anteil an globalen Spezialeinsätzen.

Zum Beweis-in ungefähr 70 % der Nationen der Welt- ist die Größe und der Umfang von geheimen Kriegen, die von Lateinamerika bis zu den Tiefen Afghanistans, von Trainingsausbildungen mit afrikanischen Alliierten bis zu Informationsoperationen, die im kybernetischen Weltraum geführt werden, angestiegen.

In den Tagen der Bush-Präsidentschaft gab es Berichten zufolge in ca. 60 Ländern rund um den Erdball Spezialoperationskräfte. Im Jahre 2010, stieg diese Zahl, gemäß der Aussagen von Karen DeYoung und Greg Jaffe von der Washington Post, auf 75 an.

Im Jahre 2011 erklärte der Sprecher des Spezialoperationskommandos (SOCOM), Colonel Tim Nye TomDispatch, dass diese Zahl auf 120 steigen würde, aber diese Zahl ist gegenwärtig sogar noch höher.

Im Jahre 2013 wurden nach Aussagen des Majors Matthew Robert Bockholt der SOCOM Öffentlichkeitsarbeit, US-Kräfte in 134 Ländern rund um den Globus eingesetzt.

Dieser auf 123 angestiegenen Einsätze während der Obama Zeit zeigen, dass zuzüglich zu den konventionellen Kriegen und der CIA Drohnen Kampagne die öffentliche Diplomatie und eine extensive elektronische Spionage, die USA sich noch in einer anderen, wesentlichen und wachsenden Form von Übersee-Machtprojektion, engagiert hat. Geleitet von einer Anzahl im Schatten amerikanischer Elitetruppen agierender großen Missionen, werden die meisten von ihnen weit weg von neugierigen Augen, Medienuntersuchungen, oder irgendeiner Art von Einmischung durchgeführt, die die Möglichkeit eines nicht vorgesehenen Rückschlags mit katastrophalen Konsequenzen bergen könnten.

Das Wachstum der Industrie

Formal 1987 ins Leben gerufen, wuchs das Spezialoperationskommando nach der 9/11 Ära.

Es wird erwartet, dass SOCOM von einer Personalstärke von 33 000 im Jahre 2001 auf eine Stärke von 72 000 im Jahre 2014 ansteigen wird.

Die finanzielle Ausstattung des Kommandos ist ebenso von einem Budget von 2,3 Billionen im Jahre 201 auf 6,9 Billionen im Jahre 2013 angestiegen ( eigentlich auf 10,4 Billionen, falls man die zusätzlichen Sponsorings dazurechnet ). Die personellen Einsätze überall sind auch steil angestiegen, von 4900 „Mann jährlich“ im Jahre 2001 auf 11 500 im Jahre 2013.

Eine gegenwärtige Untersuchung von TomDispatch ergab, dass gemäß offener Regierungsquellenberichte und neuer Erlasse, als auch Presseberichten zufolge, von 2012-2013 US- Spezialoperationskräfte in 106 Nationen auf der ganzen Welt entsandt wurden , oder involviert waren.

Während der Vorbereitung dieses Beitrags, der mehr als einen Monat gedauert hat, jedoch, hat die SOCOM versäumt, eine akkurate Statistik zu führen über die tatsächliche Anzahl von Ländern mit Spezialtruppen-Grünen Helikopter Crews, Bootteams und Personal mit zivilem Hintergrund.

Wir haben es gegenwärtig nicht zur Hand“, erklärte Bockholt von der SOCOM in einem Telefoninterview, der Beitrag wurde zu den Akten gelegt.“ Wir mussten uns durch das Material arbeiten. Das nahm eine Menge Zeit in Anspruch“. Stunden später, genau vor der Publikation, bereitete er eine Antwort auf eine Frage vor, die ich ihm im November vergangenen Jahres gestellt hatte.“SOF (Spezialoperationskräfte) wurden im Jahre 2013 in 134 Ländern“ eingesetzt, erklärte Bockholt in einer e-mail.

Globale Spezialoperationen

Im vergangenen Jahr hat der Kommandochef des Spezialoperationskommandos, Admiral William McRaven, seine Vision für einen globalen Einsatz der Spezialtruppen erklärt.

In einer Erklärung an das Hauskomitee der Bewaffneten Dienste sagte er. „USSOCOM wird sein globales Netzwerk von SOF vergrößern, um unsere internationale Agentur und die internationalen Partner zu unterstützen um im Falle einer sich ausdehnenden Situation gewappnet zu sein, Bedrohungen abzuwehren und passende Gelegenheiten auszunutzen. Das Netzwerk erlaubt es, eine kleine und ständige Präsenz in kritischen Gebieten zu haben und ein handhabbares Engagement, das man, wenn notwendig, anwenden kann…“

Auch wenn diese „Präsenz“ klein wäre, die Reichweite und der Einfluss solcher Spezialoperationskräfte ist etwas anderes.

Die 12 % ige Anstieg von nationalen Einsätzen-von 120 auf 134 während Mc Ravens Ausführungen reflektieren seinen Wunsch, dass er bereit ist, Boote auf den Grund schicken wo auch immer in der Welt. SOSCOM will nicht die Namen der Nationen nennen, die involviert sind, wegen der Empfindlichkeiten der Nationen und der Sicherheit des amerikanischen Personals, aber die Entsendungen, über die wir Bescheid wissen, werfen einiges Licht auf die ausgedehnte Art und Weise dieser Missionen, die von Amerikas Geheimarmee durchgeführt werden.

Letzten April und Mai, z.B. haben sich Mitglieder der Spezialoperativkräfte an Operationen in Djbouti, Malawi und den Seychellen Inseln im Indischen Ozean beteiligt.

Im Juni haben die US –Marinespezialtruppen im Irak, Jordanien, dem Libanon und anderen alliierten…. teilgenommen.

Im letzten Monat gingen die Green Baretts nach Trinidad und Tobago, um an kleinen lokalen taktischen Übungen mit lokalen Einheiten teilzunehmen.

Im August leiteten die Green Baretts Explosivtrainingsübungen mit honduranischen Matrosen. Im September haben sich die US- Spezialoperationskräfte an Übungen von Elitetruppen aus 10 Mitgliedsländern der Organisation der Südostasiennationen-Indonesien, Malaysia, den Philippinen, Singapur, Thailand, Brunei, Vietnam, Laos, Myanmar (Burma) und Kambodscha- als auch aus Australien, New Seeland, Japan, Südkorea, China, Indien und Russland im Rahmen einer US-Indonesien gemeinsam finanzierten Gegen Terrorismus –Übung beteiligt, die in einem Trainingszentrum in Sentul in West Java durchgeführt wurde.

Im Oktober haben US-Elitetruppen Kommandoangriffe in Libyen und Somalia durchgeführt, während deren ein Terrorverdächtiger einer ehemaligen Nation gekidnappt wurde, während die Spezialeinheiten schließlich einen Militanten töteten, nachdem er unter Feuer vertrieben worden war. Im November haben die Spezialoperationstruppen eine humanitäre Operation in den Philippinen geleitet, um Überlebende des Taifuns Haiyan zu bergen. Den nächsten Monat haben Mitglieder der 352. Spezialoperationsgruppe eine Trainingsübung durchgeführt, die ungefähr 130 Fallschirmspringer und 6 Flugzeuge auf einem Luftwaffenstützpunkt in England umfasste und bei der Mitglieder der Spezialeinheitstruppen während einer Evakuierungsmission in Südsudan verwundet wurden.

Green Barets kämpften am 1. Januar in einer Gefechtsmission im Dorf Bahlozi in der Kandahar Provinz in Unterstützung afghanischer Elitetruppen.

Einsätze in 134 Ländern jedoch sind nicht umfassend genug für SOCOM. Im November 2013 hat das Kommando erklärt, dass es nach Industriepartnern sucht, die unter SOCOM transregionaler Webinitiative potentiell „neue Webseiten entwickeln will für ein „zugeschnittenes ausländisches Publikum.

Diese würde sich an einem existierenden globalen Netzwerk von 10 Propaganda Webseiten beteiligen, die von verschiedenen Kombatantenkommandos geführt werden und den Eindruck von legitimen Nachrichtensendern machen, einschließlich einer Zentralen Asien online.com, Sabahi, welches auf das Horn von Afrika zielt; eine Bestrebung, die auf den Mittleren Osten zielt, bekannt als Al-Shorfa.com; und eine andere, die Lateinamerika betrifft, genannt Infosurhoy.com.

SOCOM zielt auf den kybernetischen Weltraum und ist darauf spezialisiert, durch gemeinsame Anstrengungen des Kommandos, immer mehr tiefer in dieses Gebiet einzudringen.. „Ich habe Leute in jeder Agentur hier in Washington, DC-von der CIA, dem FBI, der Nationalen Sicherheitsagentur, dem Nationalen Agentur für Geografische Aufklärung, der Nachrichtenagentur für Verteidigung“ sagte der SOCOM Chef Admiral McRaven während der Diskussion auf einem Arbeitstreffens im Washingtoner Wilson Zentrum im vergangenen Jahr. In seiner Rede in der Reagan Bibliothek im November nannte er die Zahl der Ministerien und Agenturen, bei denen SOCOM nun an 38.Stelle steht.

134 Chancen für ein Blowback ( Rückstoß )

Obwohl er im Jahre 2008 von vielen gewählt wurde, weil sie in ihm einen Antikriegs-Kandidaten erblickten, hat sich Präsident Obama als entschlossener Kommandeur und Chef der Falken erwiesen, deren Politik bereits bedeutende Beispiele dafür gegeben hat, was in der Umgangssprache schon lange als Blowback (Rückstoß) bezeichnet wird. Während die Obama-Administration einen US-Rückzug aus dem Irak ( ausgehandelt), als auch einen Abzug von US-Truppen aus Afghanistan ( nach großen militärischen Auseinandersetzungen in diesem Lande ) überwachte, hat er verfügt, dass die US-Militärpräsenz in Afrika aufgestockt, neue Anstrengungen in Lateinamerika unternommen und schwierige Gespräche über ein Ausbalancieren , des „Angelpunktes“ nach Asien“ geführt werden…

Das Weisse Haus hat auch eine exponierte Ausdehnung von Amerikas Drohnenkriegen in die Wege geleitet.

Während Präsident Bush 51 Angriffe gestartet hat, waren es, dem Forschungsbüro in London für Enthüllungsjournalismus zufolge, unter Obama 330 solcher Angriffe.

Im vergangenen Jahr allein, hat die USA sich an gemeinsamen Operationen in Afghanistan, Libyen, Pakistan, Somalia und Jemen beteiligt. Die gegenwärtigen Offenbarungen des Whistleblowers Edward Snowden offenbarten die elektronische Überwachung in der Obama Zeit.

In den tiefen Schatten der Spezialoperationskräfte werden jetzt jährlich mehr als das Doppelte von Nationen einbezogen, als am Ende der Bush-Ära.

In den vergangenen Jahren haben die ungewollten Konsequenzen von US-Militäroperationen geholfen, Gewalttätigkeiten hervorzubringen, Unzufriedenheit zu säen und ganze Nationen in Brand zu setzen.

Mehr als 10 Jahre nach Amerikas Erklärung „Mission beendet“ und 7 Jahre nach ihrem, am meist gerühmten Sturz, hat die USA dem Irak, der ihm geholfen hatte, ein Land in Flammen beschert. Ein Land mit keiner Al Qaeda –Präsenz vor der US-Invasion und einer Regierung, die einst Amerika gegen die Feinde in Teheran unterstützt hat, ist nun eine Regierung an der Macht, die mit dem Iran verbunden ist und wo über 2 Städten die Al Qaeda-Flaggen wehen.

Zur Unterstützung der US-Militärintervention gegen den libyschen Diktator Muanmmar Gaddafi hatte das Nachbarland Mali, als ein von den USA unterstütztes Bollwerk gegen den regionalen Terror, Truppen geschickt, das sich dann aber in eine Abwärtsspirale verwandelte, als ein von den USA trainierter Offizier einen Coup in Gang gesetzt hatte, der eine blutige Terrorattacke auf eine algerische Gasproduktionsanlage startete. Danach hatten die USA nichts Eiligeres zu tun, als eine Terrordiaspora in dieser Region zu errichten.

Und heute ist der Südsudan-eine Nation, die von den USA ins Leben gerufen wurde, den sie ökonomisch und militärisch unterstützt haben ( ungeachtet seiner Kindersoldaten) und auf dem sich eine Geheimbase für Spezialoperationskräfte befindet – eine auseinandergerissene und von Gewalt beherrschte Nation, in der sich ein Bürgerkrieg zu entfesseln droht.

Die Obama- Präsidentschaft hat das Anwachsen der US Militärelite der taktischen Kräfte in wachsendem Maße genutzt, um seine strategischen Ziele zu erreichen.

Aber bezüglich der Spezialoperationsmissionen…haben die Amerikaner wenig Ahnung, wohin diese Truppen entsendet werden, was diese exakt tun und welche Konsequenzen sich letztendlich daraus ergeben. Wie der pensionierte Armeecolonel Andrew Bacevic, Professor für Geschichte und internationale Beziehungen an der Bostoner Universität, bemerkte, hat die Nutzung von Spezialoperationstruppen während der Obama Zeit die Berechenbarkeit eingebüßt. Sie hätten den „imperialen Präsidenten“ gestärkt und einen Krieg ohne Ende in Gang gesetzt.

In Kürze“ schrieb er im TomDispatch, „ den Krieg in die Hände von Spezialoperationskräften zu legen, verwischt die schon zu schwache Grenze zwischen Krieg und Politik und es wird ein Krieg zum Selbstzweck“ gemacht.

Geheimoperationen durch Geheimtruppen haben die Tendenz, ungewollte, unvorhergesehene und komplett katastrophale Konsequenzen nach sich zu ziehen. Die New Yorker werden sich gut an das Endresultat der US Geheimunterstützung von islamischen Militanten gegen die Sowjetunion in Afghanistan während der 1980 iger erinnern: den 9/11.

Es ist sonderbar genug, dass aus diesen und anderen primären Angriffen, der Pentagon aus diesem Blowback nichts gelernt zu haben scheint.

Selbst heute in Afghanistan und Pakistan, mehr als 12 Jahre nachdem die USA dort einmarschiert sind und 10 Jahre, nachdem es verdeckte Angriffe dort geleitet hat, sind die USA noch der Kalten Kriegs Ära verhaftet: so werden z. B. CIA Drohnenangriffe gegen Raketenangriffe einer Organisation (das Haqqani Netzwerk) gemacht, das in den 1980igern von der Agency mit Raketen ausgestattet worden ist.

Ohne klares Bild, wo die militärischen Geheimtruppen agieren und was sie tun, können die Amerikaner nicht einmal die Konsequenzen erkennen, die sich daraus und einem Blowback aus unseren expandierenden Geheimkriegen ergeben könnten, die überall in der Welt stattfinden.

Aber wenn die Geschichte irgendein Leitbild hat, werden sie vernichtet werden- von Südwestasien bis zum Mahgreb, dem Mittleren Osten bis nach Zentralafrika und vielleicht sogar in den Vereinigten Staaten selbst.

In seinem Ausblick für die Zukunft SOCOM 2020 hat der Admiral Mc Raven die US Spezialoperationen als ein Mittel bezeichnet „Kraft zu zeigen, Stabilität zu erzeugen und Konflikte zu vermeiden.“

Vergangenes Jahr hat die SOCOM an 134 Plätzen der Welt genau das Gegenteil getan.

 

Quelle: The Special Ops Surge - America's Secret War in 134 Countries ...

Nick Turse (1975) hat an der Columbia Universität seinen Doktor der Sozialmedizin gemacht, ist Historiker, Autor und Enthüllungsjournalist.