Redebeitrag des Gen. Alfred Fritz, Mitglied des ZK der KPD, auf der Kundgebung am 18. August 2013 in Ziegenhals anläßlich des 69. Jahrestages der Ermordung Ernst Thälmanns durch die Faschisten

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Kategorie: Inland
Veröffentlicht am Montag, 19. August 2013 14:33
Geschrieben von estro
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Liebe Freunde Ernst Thälmanns,
liebe Antifaschisten,
liebe Genossinnen und Genossen,

Wir verbinden das Gedenken an Ernst Thälmann, dem unsterblichen Sohn des deutschen Volkes, einem der bedeutendsten Führer der deutschen und internationalen Arbeiterklasse anläßlich de 69. Jahrestages seiner feigen Ermordung durch die Faschisten mit der Würdigung seines Kämpferlebens gegen Ausbeutung und Unterdrückung, gegen Faschismus und Krieg und den Lehren für unseren heutigen Kampf.

Allen Kritikern und Besserwissern gilt es jetzt erst recht die Stirn zu bieten, die uns das Geschichtsbild verzerren, gar die Geschichte umschreiben wollen und Führer der revolutionären deutschen und internationalen Arbeiterbewegung verunglimpfen.

Niemand von den nationalen und internationalen Arbeiterführern wird von der Hetze der Bourgeoisie geschont. Und wer glaubt, der Klassenfeind hört bei Stalin auf, der irrt, der konnte gestern Abend beim Fersehprogramm Phönix erleben, wie Lenin als „Putschist, Massenmörder, Demokratiefeind und Diktator“ verleumdet und diskriminiert wird. Und dann kommen sicherlich Marx und Engels ran. Mit den Angriffen gegen sie soll der Sozialismus/Kommunismus diskreditiert werden. Da tut es gut, wie sich Egon Krenz mit seinen Veröffentlichungen anläßlich des 120. Geburtstages und 40. Todestag von Walter Ulbricht zu Wort meldet, die Rolle Walter Ulbrichts,dem engen Kampfgefährten Ernst Thälmanns, seinen antifaschistischen Kampf und seine Rolle beim antifaschistisch-demokratischen und sozialistischen Aufbau der DDR würdigt und geschichtliche Verleumdungen mit konkreten Fakten widerlegt.

Wir jedenfalls halten Ernst Thälmann und seinen Kampfgefährten die Treue und weisen die erneuten menschenverachtenden Angriffe eines Hubertus Knabe auf die Ehrungen führender Arbeiterfunktionäre mit den er sich abermals außerhalb des Empfindens der Mehrheit der DDR-Bürger/aller Antifaschisten stellt, auf´s schärfste zurück.

Schonfrühzeitig, im Januar 1931 warnte Ernst Thälmann, ausgehend von seinen revolutionären Kampferfahrungen, die Öffentlichkeit vor der sich abzeichnenden gefahrvollen Entwicklung in der Weimarer Republik,die dem Faschismus den Boden bereitete und rief zur Vereinigung aller Antifaschisten für eine Volksrevolution auf. Er verkündete 1932 den bekannten Aufruf der KPD:

Wer Hindenburg wählt -
wählt Hitler,
wer Hitler wählt -
wählt den Krieg
!

Bekanntlich führte die Nichtbeachtung der Warnung der Kommunisten zur verhängnisvollen Machtübergabe an die Faschisten und zu einem hohen Blutzoll im II. Weltkrieg mit 70 Millionen Toten und zu Tausenden zerstörten Städten in Schutt und Asche.

Heute rudert die BRD an der Seite der USA, die die größten Verbrechen mit Millionen Toten unter Einsatz geächteter Massenvernichtungswaffen seit 1945 an der Menschheit begangen haben, aber auch eigenständig aus eigenem Machtinteresse wieder von einem Kriegsabenteuer in ein weiteres, ist am gezielten Töten von Menschen ohne Rechtsgrundlage beteiligt, was gegen Völkerrecht und Grundgesetz verstößt. Die Herrschenden lügen, wenn sie den Mund aufmachen, verschleiern Grausamkeiten des Handelns der Bundeswehr im Ausland und verdecken die totale Überwachung des Volkes mit Märchen, die sie uns erzählen, um zu täuschen. Sie sind nicht in der Lage auch nur ein gesellschaftliches Problem im Interesse der Menschen zu lösen, weil der Profit der Mächtigen auf der Grundlage des Privateigentums an den Produktionsmitteln dominiert und keine planmäßige Gestaltung des gesellschaftlichem Lebens zuläßt. Der deutsche Imperialismus braucht für seine Europa-und Weltherrschaftspläne Allianzen wie die EU und NATO, koste es was es wolle. Die Brutalität des Vorgehens mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr und im Innern bei demonstrativem Aufbegehren gegen Beschränkungen der Freiheit, gegen die Allmacht der Banken, wie in Frankfurt am Main, wo auf Frauen, Kinder und Greise eingedroschen wurde sowie gegen Zwangsräumungen zugunsten der Immobilienhaie, nimmt immer mehr faschistische Züge an. Und wer Geldwäsche der Banken angreift wird, wie Mollath in die Psychatrie gesteckt. Faschistenaufmärsche und Provokationen, wie eine der größten und schamlosesten Provokation in Berlin beim Kapitulationsmuseum in Karlshorst am 8. Mai dieses Jahres werden in Kenntnis dieser traditionellen Gedenkstätte und des Tages der Befreiung vom Faschismus mit dem hohen Blutzoll vor allem der Sowjetunion mit 27 Millionen Toten staatlicherseits genehmigt und geschützt. Antifaschisten werden festgenommen und erkennungsdienstlich behandelt. Erinnert das nicht an die letzten Jahre der Weimarer Republik? Gewiß, Geschichte wiederholt sich nicht in denselben Erscheinungen, aber ähnlich mit gleichem Hintergrund, nämlich der Tendenz zum Faschismus, die aus dem imperialistischen System erwächst, wenn sie nicht rechtzeitig zurückgedrängt wird. Wir warnen daher heute als Kommunisten/Antifaschisten erneut vor dieser historischen Stätte mit dem Aufruf:

Wer NPD und ihre Ableger wählt,
wer den geschäftsführenden Vorstand
des Monopolkapitals und der Banken in
Gestalt der Merkel- Regierungskoalition wählt,
für SPD-Führer und Politiker Bündnis90/Grüne stimmt,
die ihre Kriegspolitik mit dem Überfall auf Jugoslawien unter
Beweis stellten,

der unterstützt erneut den Weg der Kriegsabenteurer, die die Kriegslasten auf die unteren Volksschichten abwälzen, kontinuierlichen Sozialabbau betreiben, Werktätige entrechten, der faschistischen Entwicklung Vorschub leisten und das deutsche Volk in eine nationale Katastrophe führen. Keiner sage später, man habe es nicht gewußt!

Darum gegen halten, ist angesagt, ihnen auch mit dem Stimmzettel und der persönlichen Wahlentscheidung eine Abfuhr erteilen, aber vor allem den außerparlamentarischen Kampf verstärkt und vereint führen!

Denn wir wissen ja, daß durch Wahlen allein können keine gesellschaftlichen Veränderungen erreicht werden, sonst hätte man sie - wie im Volksmund gesagt wird - längst abgeschafft.

Im Zusammenhang mit dem 80. Jahrestag der Machtübergabe an die Faschisten in diesem Jahr wurde nochmals hervorgehoben, daß die Errichtung der faschistischen Diktatur nicht unvermeidbar war. Dem Aufruf der KPD zur antifaschistischen Aktion am 25. Mai 1932 und dem am 10. Juli 1932 im Auftrage von rd. 70 örtlichen Einheitsausschüssen durchgeführten Reichs-Einheitskongreß der Antifaschistischen Aktion in der Berliner Philharmonie folgten an der Basis und vielen Orten Deutschlands weitere Aktionsausschüsse mit erfolgreichen Aktionen zur Zurückdrängung faschistischer Übergriffe und Aktivitäten, wie in den meisten größeren Städten Deutschlands und auch in mehren Orten Brandenburgs u. a. in unserem naheliegendem Bernau und Oranienburg. Das reichte jedoch nicht aus, um einheitliche zentrale Maßnahmen bis zum Generalstreik zu treffen, um den Machtantritt der Faschisten zu verhindern, bzw. dem Aufruf zum Generalstreik noch nach dem Machtantritt zu folgen. Das Ringen der KPD um die Überwindung der Spaltung blieb erfolglos, weil der Einfluß der rechtssozialdemokratischen Führung in der Arbeiterbewegung nicht genügend zurückgedrängt werden konnte, der Klassencharakter des Faschismus von ihr falsch eingeschätzt wurde, aber auch linkssektiererische Kräfte in der KPD erst spät isoliert werden konnten.

Die von Ernst Thälmann auf der illegalen Tagung des ZK der KPD in der Ziegenhalser Rede entsprechend der neuen Situation entwickelte Strategie des primär antifaschistischen Kampfes zum Sturz der Hitlerregierung, die nicht unbedingt und sofort mit der proletarischen Revolution identisch sein muß, fand Eingang in die Strategie und Taktik des VII. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale und der Brüsseler Konferenz der KPD, im antifaschistischen Widerstandskampf, in die Volksfront-Politik und den Kampf des Nationalkomitees Freies Deutschland - der größten Widerstandsorganisation - dessen 70. Jahrestag seiner Gründung am 12./13.Juli dieses Jahres begangen wurde - bis zum Aufbau einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung im Osten Deutschlands als Basis für die sozialistische Entwicklung der DDR.

Kommunisten setzten die Orientierungen der Ziegenhalser Rede im Widerstandskampf vielseitig um. Sie scharten antifaschistische Kräfte bis in bürgerliche Kreise hinein um sich und schmiedeten Widerstandsgruppen im eigenem Land, kämpften als Partisanen oder in den Reihen der Roten Armee und hatten aus 300.000 Mitgliedern auch die größten Opfer mit über 150.000 Mitgliedern zu beklagen, der größten Opfer einer im Reichstag vertretenen Partei. Ihr Widerstandskampf erlosch trotz Dezimierung der Kämpfer nie. Allein im April, Mai, Juni 1944 waren von den 8700 politisch Verhafteten 5053 Kommunisten.

Es ist eine bleibende Schande, daß Kommunisten, die die größten Opfer gegen den Faschismus brachten, mit dem Verbot der KPD 1956 - also gestern vor 57 Jahren - in der alten BRD wiederum verfolgt wurden und mit der Einverleibung der DDR der Antikommunismus mit der Totalitarismusdoktrin als Gleichsetzung von Faschismus und Sozialismus/Kommunismus, sowie die Verfolgung, Diskreditierung, soziale Ausgrenzung von staatsnahen DDR-Bürgern und Schändung antifaschistischer Denkmäler einen neuen Höhepunkt erreicht.

Wir fordern daher erneut die Aufhebung des Verbotsurteils zur KPD von 1956, die Rehabilitierung und Entschädigung der Verfolgten, Beendigung der Diskreditierung der DDR und ihre Bürger sowie den Schutz antifaschistischer Denkmäler.

Antifaschismus ist mit Antikommunismus nicht vereinbar.

Wir stehen in heutiger Zeit erneut davor, die antifaschistische Aktion von unten und oben zu organisieren. So hat die KPD im Thälmannschen Sinne auf mehrmaligen Konferenzen für Aktionseinheit zur antifaschistischen Aktion, zur Entwicklung einer antifaschistisch-/antiimperialistisch-demokratischen Front für den gemeinsamen Kampf gegen Faschismus und Krieg, und für sozialem Fortschritt aufgerufen. Das ist Volksfrontpolitik in Aktion unter heutigen Bedingungen! Aber leider verschließt sich ein Teil linker Führungskräfte noch diesem Anliegen. Auf der Aktionskonferenz 2010 gründeten wir das Koordinierungsgremium mit dem Namen: “Antifaschistisches Komitee gegen Krieg und Sozialraub“, das im Ergebnis nunmehr 10 linke Organisationen einschl. KPD und DKP-Berlin, RFB und Freundeskreis Ernst Thälmann, OKV, Rotfuchs, GRH, GBM, BÜSGM, Freidenker Berlin umfaßt. Wir stellen keine Bedingungen für den Rahmen der Zusammenarbeit als Bündnis, wenn man bereit ist, im Sinne des Inhalts des Namens des Komitees gemeinsam zu kämpfen und wünschen, daß auch andere uns keine Bedingungen stellen, wenn es im Kampf gegen den Hauptfeind im eigenen Land geht. Gegen Faschismus, gegen Krieg und Sozialabbau, müssen wir eine gemeinsame Kampffront schaffen!

Ich rufe daher im Namen der KPD von dieser Kundgebung erneut alle antifaschistisch-demokratische Organisationen und Kräfte, vor allem die Jugend und Gewerkschafter dazu auf: Ehren wir Ernst Thälmann und seinen Kampf, in dem wir uns einreihen in die antifaschistisch-/antiimperialistisch-demokratische Front als Bündnis und Aufbau einer Gegenmacht , deren Stimme unüberhörbar zu machen ist gegen Faschismus und Krieg, für Frieden, Demokratie und sozialen Fortschritt. Arbeitet mit in diesem Komitee in Berlin und in allen örtlichen solchen Bündnissen als Koordinierungsgremium für gemeinsame Beratungen, Abstimmungen und Aktionen. Bereiten wir uns darauf vor, ähnlich wie 1932 die KPD unter Leitung Ernst Thälmanns den

Reichskongreß Antifaschistische Aktion“organisierte,
einen Bundesweiten „Einheitskongreß der antifaschistischen Aktion“

aus Vertretern aller örtlichen Komitees durchzuführen, sobald die Bedingungen hierzu in den meisten Orten geschaffen wurden.

Das vereinte Handeln linker Kräfte könnte bereits eine Macht sein, wenn sie gebündelt auftritt.

Eine stabile Basis hierfür wäre die Zusammenführung der beiden historisch unterschiedlich entstandenen kommunistischen Parteien, der DKP und der KPD und weiterer Marxisten-Leninisten in den verschiedenen Gruppierungen und ihre Formierung auf marxistisch-leninistischer Grundlage mit dem Ziel der Herstellung der Einheit in einer geeinten Kommunistischen Partei. Ich denke, die Dinge beginnen ihren Lauf zu nehmen. Ob Marx, Engels, Lenin, Bebel, Liebknecht, Thälmann und Pieck, sie alle erkannten, daß die politische und ökonomische Befreiung der Arbeiterklasse nur möglich ist, wenn diese gemeinsam und einheitlich unter Führung einer revolutionären Partei den Kampf führt. Ausgehend von dieser Erkenntnis erklärte schon August Bebel auf dem Eisenacher Gründungskongreß der SDAP 1869 wörtlich: „Deshalb gibt sich die SDAP eine einheitliche Organisation.“ Wir gehen also auch davon aus, daß ohne eine starke geeinte marxistisch-leninistische Partei kein erfolgreicher Kampf zur Überwindung des Imperialismus und Aufbau des Sozialismus möglich ist. Das entspricht den objektiven Erfordernissen unseres Kampfes, aber auch dem subjektivem Verlangen immer größerer Teile fortschrittlicher Kreise. Dazu gehört auch, daß das Wort Kommunismus, Kommunist nicht länger als Schmähwort verteufelt werden darf, sondern sollte als Humanistisches, Ehrenhaftes, Menschenwürdiges verteidigt werden.

Antikommunismus bleibt die Grundtorheit auch im 21. Jahrhundert!

Kommunisten sollten erhobenen Hauptes ihren Kampf zur Befreiung der Arbeiterklasse zusammen mit Sozialisten/weiteren linken Kräften verstärkt fortsetzen. Thälmann bekräftigte: „Kommunismus ist die Lehre von der Befreiung der Arbeiterklasse, die Befreiung der Arbeiterklasse aber ist die Befreiung des ganzen Volkes. Dafür mein ganzes Leben gekämpft zu haben, darauf bin ich stolz!“

Handeln wir also im Sinne Ernst Thälmanns, das ist unsere Verpflichtung aus seinem und dem heldenhaften Kampf aller Antifaschisten gegen Faschismus und Krieg. Wir sind es seinem Kampf und der Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder, der künftigen Generation, schuldig, damit endlich „die Sonne schön, wie nie über Deutschland scheint“.

Für Genossen Thälmann hoch die Faust!

Danke!